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Chronische Lebererkrankungen: Besser früh entdecken und dann behandeln

20.11.2024 #Zentrum für Innere Medizin Moers #Allgemeine Innere Medizin, Hepatologie, Infektiologie & Onkologie Moers

Interview mit dem Gastroenterologen und Leberspezialist Prof. Dr. med. Christoph Vogt

Prof. Vogt, warum spüren viele Menschen eine Lebererkrankung erst so spät?

Lebererkrankungen entwickeln sich meist über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte unbemerkt. Diese „stille Phase“ kann dazu führen, dass die Diagnose erst spät gestellt wird – und dann sind die Behandlungsmöglichkeiten oft eingeschränkt.

 

Woran liegt das?

Prof. Vogt: Die Leber ist ein extrem widerstandsfähiges Organ. Sie hat eine starke Fähigkeit zur Selbstregeneration und kann auch bei Schädigungen lange Zeit ihre Funktionen aufrechterhalten. Doch irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem keine Regeneration mehr möglich ist. Das Problem ist, dass viele Betroffene ihre Lebererkrankung erst bemerken, wenn bereits eine vollständige Vernarbung, also eine Zirrhose, eingetreten ist – und die Schäden dann irreversibel sind.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, Lebererkrankungen frühzeitig zu erkennen?

Prof. Vogt: Mit Blutuntersuchungen können wir viele Lebererkrankungen mittlerweile sehr früh und präzise diagnostizieren. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Elastografie zeigen, ob schon eine Zirrhose vorliegt oder noch Regenerationspotenzial vorhanden ist. In manchen Fällen ist auch eine Leberbiopsie erforderlich, um eine genaue Diagnose zu stellen.

 

Welche Fortschritte gibt es in der Behandlung?

Prof. Vogt: Da hat sich in den letzten Jahren viel getan. Viele Lebererkrankungen sind heute behandelbar, manche, wie eine Hepatitis-C-Infektion, sogar heilbar. Das ist ungewöhnlich für eine Viruserkrankung. Bei Leberzirrhose können wir das Fortschreiten zwar oft nur verlangsamen, eine echte Heilung ist hier leider noch nicht möglich. Selbst bei Leberkrebs gibt es dank moderner Medizin aber neue Hoffnung.

 

Was sind die Hauptursachen für Lebererkrankungen?

Prof. Vogt: Die Auswirkungen von Alkoholkonsum sind allgemein bekannt, aber auch starkes Übergewicht ist ein Risiko für die Leber. Ein gesunder Lebensstil mit mehr Bewegung und weniger Kohlenhydraten und Fett kann die Leber entlasten. Die genetische Veranlagung spielt ebenfalls eine Rolle, denn manche Menschen neigen schneller zu Leberproblemen als andere. Patienten fragen oft, warum ihr Nachbar, der genauso viel trinkt oder isst, keine Leberprobleme hat, sie aber schon.

 

Welche Rolle spielt die Fettlebererkrankung?

Prof. Vogt: Die Fettleber ist inzwischen die häufigste Lebererkrankung, insbesondere in westlichen Ländern.

 

Welche weiteren chronischen Lebererkrankungen gibt es?

Prof. Vogt: Chronische Lebererkrankungen können viele Ursachen haben. Zu den häufigsten zählen chronische Leberentzündungen, die meist durch Hepatitis-B- und -C-Viren ausgelöst werden. Bei einer Autoimmunhepatitis richtet sich das Immunsystem gegen die eigenen Leberzellen. Stoffwechselbedingte Erkrankungen umfassen die Fettleber, Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) und Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit).

 

Was empfehlen Sie Ihren Patientinnen und Patienten, um ihre Leber zu schützen?

Prof. Vogt: Eine eiweißreiche, kalorienbewusste Ernährung ist grundsätzlich gut für die Leber. Junkfood und Softdrinks mit Zucker sollte man besser meiden. Sogar Alkohol ist in Maßen vertretbar, doch täglicher Alkoholkonsum kann gefährlich werden.

 

Warum merken Betroffene die Erkrankung oft nicht früher?

Prof. Vogt: Viele Lebererkrankungen wie die Fettleber oder eine Virushepatitis verursachen oft jahrelang keine Symptome. Leberpatienten empfinden meist keine Schmerzen, nur ein unspezifisches Druckgefühl im Oberbauch, das oft ignoriert wird. Auch Symptome wie Müdigkeit sind unspezifisch und schwer einzuordnen. Deshalb sind Bluttests und bildgebende Verfahren zur Diagnose so wichtig.

 

Wie reagieren die Patientinnen und Patienten auf die Diagnose?

Prof. Vogt: Vielen fällt es schwer zu realisieren, dass sie auf dem Weg zur Zirrhose sind, vor allem, wenn sie keine Symptome haben. Gerade im sozialen Umfeld, in dem Alkohol und üppiges Essen selbstverständlich sind, fällt eine Umstellung schwer. Frühdiagnosen durch Tests helfen, denn dann können wir die Patienten darüber aufklären, dass sie bereits Vernarbungen haben – das wirkt oft wie ein Weckruf.

 

Warum sind Vernarbungen der Leber so gefährlich?

Prof. Vogt: Bei allen chronischen Lebererkrankungen entstehen Entzündungen, die zu Narbengewebe führen und das normale Lebergewebe ersetzen. Wenn das Narbengewebe überhandnimmt, wird die Leberfunktion eingeschränkt und das Blut kann nicht mehr normal durch die Leber fließen. Im Frühstadium ist das noch umkehrbar, aber eine Zirrhose zerstört die Regenerationsfähigkeit der Leber und kann zu Leberkrebs führen.

 

Wie entsteht Leberkrebs?

Prof. Vogt: Leberkrebs ist meist eine Folge der Zirrhose. Allerdings gibt es Ausnahmen, wie eine Hepatitis-B-Infektion, die auch ohne Zirrhose zu Krebs führen kann. Auch bei der nicht-alkoholischen Fettleber kommt es gelegentlich vor, dass Leberkrebs schon vor der Entstehung einer Zirrhose auftritt.

 

Kann man sagen, dass Lebererkrankungen heute vor allem Zivilisationskrankheiten sind?

Prof. Vogt: Die nicht-alkoholische Fettleber aufgrund von Übergewicht wird tatsächlich immer häufiger. Man geht davon aus, dass etwa 20 Prozent der Menschen in Europa eine Fettleber haben. In den USA sind es sogar bis zu 30 Prozent. In den 1990er Jahren war die Fettleber noch kaum bekannt; heute ist sie der häufigste Grund für eine Lebertransplantation in der westlichen Welt.

 

VORTRAG

D407150 Erhöhte Leberwerte - was nun?

Beginn

Mi., 20.11.2024, 18:00 - 19:30 Uhr

Kursgebühr

0,00 €

Dauer

1 Aben

Kursleitung

Prof. Dr. Christoph Vogt

Veranstaltungsart

Vortrag

Erhöhte Leberwerte können ein Hinweis auf verschiedene gesundheitliche Probleme sein, die von harmlosen Ursachen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen. Doch was genau bedeuten diese Werte und wie sollte man darauf reagieren? Im Vortrag „Erhöhte Leberwerte - was nun? gibt Prof. Dr. Christoph Vogt, Direktor der Klinik für Innere Medizin, Chefarzt der Klinik für Hepatologie, Infektiologie und Onkologie am St. Josef Krankenhaus einen Überblick zu möglichen Lebererkrankungen, ersten Warnzeichen und Therapiemöglichkeiten.
Kooperation mit der St. Josef Krankenhaus GmbH Moers

https://www.vhs-rheinberg.de/programm/gesundheit/kurs/Erhoehte-Leberwerte-was-nun/D407150#inhalt

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