Gemeinsam gelebter Glaube: Fronleichnamsprozession kehrt nach Rheinberg zurück
Nach zweijähriger wetterbedingter Pause fand in diesem Jahr wieder die Fronleichnamsprozession in Rheinberg am Niederrhein statt. Daran waren in diesem Jahr mehrere Einrichtungen der GFO sowie eine Einrichtung der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein für Menschen mit Behinderung beteiligt. Die Prozession nahm bei bestem Wetter mit einer heiligen Messe unter freiem Himmel auf dem Gelände des GFO Zentrums Wohnen & Pflege St. Thekla ihren Anfang. Zahlreiche Bewohner und Pflegekräfte hatten Gelegenheit, an dem feierlichen Gottesdienst mit Kirchenchor, Schützengesellschaften, Messdienern, Kommunionkindern und Gläubigen der St. Peter-Gemeinde teilzunehmen. Im Anschluss zog die Prozession zum GFO Hospiz Haus Sonnenschein. Dann ging es am St. Nikolaus Hospital, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der GFO Kliniken Niederrhein, vorbei zum Außenwall.
Dort errichten seit zehn Jahren Mitglieder der Pumpennachbarschaft Orsoyer Tor gemeinsam mit Betreuern und Bewohnern der Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung „Haus am Außenwall“ einen Fronleichnamsaltar. Die Besonderheit ist ein Blumenteppich, der vor dem Altar in der ehemaligen Wallanlage der Festungsstadt Rheinberg angelegt wird. Die Blumen werden in den Feldern und Gärten der Umgebung gesammelt: Rosenblätter, Pfingstrosen, Margeriten, Lupinen, Glockenblumen, Ginster und vieles mehr. Jedes Jahr bleibt es spannend, welche Blumen gerade blühen und wie groß die Ausbeute ist. Auch die verschiedenen Farben müssen stimmen, damit ein plastisches Bild zustande kommt.
Der Altartisch stammt aus der Nachbarschaft, die Fahnen und Kerzenhalter sowie das Kreuz stammen aus dem ehemaligen St. Nikolaus Hospital. Die Kooperation der Nachbarschaft mit dem St. Nikolaus Hospital hat eine über 80jährige Tradition. In früheren Jahren gab es einen großen Holzaltar mit gotischem Aufsatz, Fahnen, Kerzenhalter und Kreuz sowie verschiedene Teppiche. All dies wurde im St. Nikolaus Hospital gelagert und am Fronleichnamstag von den Technikern des Hospitals in aller Frühe an den Kattewall geliefert, wo der Altar unter freiem Himmel vor der Kulisse einer großen Kastanienallee errichtet wurde Die Nachbarn standen mit den gesammelten Blumen schon bereit und fertigten auf einem Sandbett einen üppigen, bunten Blumenteppich mit religiösen Symbolen. Oft kamen Clemensschwestern, von uns „Nönnekes“ genannt, aus dem Krankenhaus vorbei, um das Werk zu bewundern. War der Teppich fertig, ging es schnell nach Hause, um sich für die Prozession umzuziehen. Es war dann immer ein erhebender Moment, wenn die Monstranz auf den Altartisch gestellt und anschließend der Segen gespendet wurde. Dr. Dorothee Müller, Chefärztin des heutigen St. Nikolaus Hospitals der GFO Kliniken Niederrein, und Elmar Brockmann auf dem obigen Foto sind seit ihrer Kindheit beim Bau des Altars dabei.
Wie überall haben sich die Zeiten geändert. Der Standort des Altars wurde verlegt, und so kam die heutige Zusammenarbeit zwischen Nachbarn und Bewohnern des Hauses am Außenwall zustande. Natürlich ist die Zahl der Beteiligten und die Größe des Teppichs nicht mehr mit früheren Zeiten vergleichbar. Was aber geblieben ist, ist die Begeisterung der Beteiligten für die Errichtung eines würdigen und ansehnlichen Altars zur Ehre Gottes. Dieser Geist ist jedes Mal erlebbar und entschädigt für das frühe Aufstehen am Feiertag.
Die Mitwirkung bei der Gestaltung der Rheinberger Fronleichnamsprozession ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener sozialer Institutionen und damit ein Zeichen für gelungene Inklusion. Nachbarn verschiedener Konfessionen, ältere und schwer erkrankte Menschen, Menschen mit Behinderung und interessierte Bürger wirken zusammen und erschaffen immer wieder ein farbenfrohes Werk, das jeden Vorbeikommenden in seinen Bann zieht.
